Bist du bereit für Pferdearbeit?

Wie unter Warum heute noch Pferdearbeit aufgezählt, gibt es viele Gründe, die für Pferdearbeit sprechen. Wir würden uns sehr darüber freuen, wenn auf vielen Betrieben wieder Pferde arbeiten und immer mehr moderne Geräte entwickelt würden. Aber auch wenn  du jetzt völlig überzeugt von Pferdearbeit sein solltest, warte noch ein bißchen bevor du los ziehst um dir ein Pferd zu kaufen…

Wenn du bisher wenig mit Pferden zu tun hattest, frage dich ehrlich:

  • Bin ich bereit, gerade im ersten Jahr, sehr viel Zeit in meine und die Ausbildung des Pferdes zu investieren? Als Pferdeanfänger solltest du auf gar keinen Fall ein nicht ausgebildetes Pferd kaufen, sondern ein älteres, gut ausgebildetes. Leider werden solche Pferde kaum verkauft. Aber auch wenn du das Glück haben solltest, ein gut ausgebildetes kaufen zu können, brauchst du selbst die Zeit um zu lernen und ihr müsst euch auch erst einmal als Team einspielen. Das braucht sehr viel Ruhe und die Zeit für kleine Schritte. Erwarte nicht, dass ihr im ersten Jahr hunderte Festmeter Holz aus dem Wald zieht oder einen Hektar Gemüse komplett bearbeitet.
  • Kann ich damit leben, dass der Acker nicht zu Ende gepflügt oder die Reihen nicht fertig gehackt werden, weil das Pferd es körperlich nicht mehr schafft? Schaffe ich es zu erkennen, dass das Pferd vom Ausbildungsstand oder von der Gesamtsituation überfordert ist, so dass ich die Arbeit abbrechen muss, obwohl sie noch nicht beendet ist? Und dass obwohl das Unkraut beginnt alles zu überwuchern und morgen wieder Regen angesagt ist. Kann ich dabei zuschauen, dass das Pferd – gerade am Anfang – noch nicht perfekt in den Reihen läuft und das wertvolle Gemüse zertrampelt (die gute Nachricht: Solange das Pferd keine Hufeisen hat, überleben es die Pflanzen meistens…)?
  • Habe ich genügend Leute, die die Pferde (denn selbst wenn ich einspännig arbeite, MUSS das Pferd in Pferdegesellschaft leben) auch mal versorgen, wenn ich wegfahre oder krank bin? Und habe ich Leute mit Lust auf Pferdearbeit? Gerade am Anfang sollte man immer zu zweit sein, schon allein deswegen, weil du es nicht schaffen wirst das Pferd zu lenken und gleichzeitig eine Hacke zu halten, wenn du es noch nicht kannst. Solange ihr noch kein eingespieltes Team seid, werden solche „Ein-Mann“- Versuche auf Kosten des Pferdes gehen, weil du es noch nicht so fein lenken kannst und ihm beim Versuch das Gerät zu halten im Maul reißt.
  • Habe ich so viel Lust auf Pferde, dass ich mich auch gerne mit ihnen beschäftige, wenn mal keine Pferdearbeit angesagt ist? Die wenigsten Pferde leben in Herden auf hektargroßen Weiden, wo sie sich selbst beschäftigen und fit halten können. Obwohl es natürlich anzustreben ist, die Haltung so pferdegerecht wie möglich zu gestalten, ist es trotzdem wichtig, sich in Zeiten mit weniger Arbeit mit den Pferden zu beschäftigen. Dieses sind die Zeiten, in denen es möglich ist an Ausbildungsfehlern zu feilen, die man in Zeiten mit viel Arbeit nicht ausbügeln kann. Auch Ausritte sind für alle eine schöne Abwechslung. Jemandem, der sowieso gerne mit Pferden zu tun hat, wird es nicht schwerfallen, sich für arbeitsärmere Zeiten etwas einfallen zu lassen. Fakt ist, dass egal ob du Lust drauf hast oder nicht, die Pferde regelmäßig trainiert werden müssen, denn du kannst nicht von ihnen erwarten, dass sie nach monatelangem „Stillstand“ im Hochsommer oder Winter dann spontan einen Hektar umpflügen können.